Tradition neu interpretiert Klinkersteine für ein lebendiges Fassadenbild

Bauen mit Backstein hat im nördlichen Europa eine lange Tradition. Vorzugsweise wurde Ziegel nach römischen Vorbild verwendet. Ab dem 12. Jahrhundert breitet sich von der Île-de-France der gotische Baustil aus und entwickelt sich im Norden zur Backsteingotik weiter, die zum prägenden Stilmerkmal der Städte im Ostseeraum wurde. Die Größe der Steine variierte in der Länge von 20 bis 34 Zentimetern sowie in der Breite von 9 bis 16,5 Zentimetern und wurden von den Klosterschulen oder der Region bestimmt. Das Besondere an den „Formsteinen“ war, das ihr Maß und Gewicht so begrenzt wurde, dass ein einzelner Maurer ihn greifen und verarbeitet konnte. Im rauen Klima setzte sich schließlich der Klinkerstein gegen den Backstein durch, der bei höheren Temperaturen gebrannt wird. Er ist daher frost- und wetterbeständiger und kann auch unverputzt vermauert werden.

Klinkerstein als Fassadenmaterial hat für uns eine besondere Bedeutung, weil uns sein baukulturelles Erbe am Herzen liegt. Bei zahlreichen Bauten haben wir uns daher für einen zweischaligen Fassadenaufbau mit Verblendmauerwerk entschieden. Bei der Erweiterung der Gelehrtenschule Forum Johanneum und bei dem Europäischen Hansemuseum fiel unsere Wahl auf Klinker des dänischen Herstellers Petersen Tegel. Während für die Schule der „D99“ zum Einsatz kam, haben wir für das Museum gemeinsam mit der Ziegelei einen eigenen Stein entwickelt, der in Holzform handgepresst und mit einer Schlämme in drei unterschiedlichen Abstufungsgraden hergestellt wurde, wodurch der Farbton variiert. Auf eine Durchmischung der Klinker haben wir bewusst verzichtet, um ein lebendiges Fassadenbild zu kreieren.

 

Das Fugenbild stellt einen weiteren wichtigen Bestandteil in unserem Gestaltungsprozess dar. Der handabgezogene, dunkelgraue Kohlebrandklinker des Forum Johanneums wurde mit einer hellgrauen Fuge versehen, die schräg abgezogen wurde. Dadurch bildet sich ein Schlagschatten aus, der die Fassade eine höhere Tiefenwirkung verleiht. Beim Hansemuseum haben wir einen weißen Mörtel gewählt. Die relativ große Fuge von 15 Millimeter wurde in Teilbereichen um 5 Millimeter zurückgesetzt. Dadurch erscheint das Farbspiel der Fassade rötlicherer und wärmer.

Für beide Gebäude haben wir handwerklich hochwertige Backsteinmaterialität mit eleganter Moderne verbunden und schlagen so eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart.